Die ganze Welt auf einem Acker - "Eigentlich genug für alle"

Shownotes

Auf 2.000 Quadratmetern wird auf dem Überlinger Weltacker greifbar, was global an Nahrung angebaut wird – und wie wir auch in Zukunft gut davon leben können. Ein Interview mit Eva Hauber, Agrar- und Umweltwissenschaftlerin, vom Überlinger Weltacker.

Alle Infos für euren Besuch auf dem Weltacker findet ihr hier Überlinger Weltacker.

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Transkript anzeigen

00:00:02: Hallo und herzlich willkommen zum Bodensee Podcast, der Podcast von Echt Bodensee.

00:00:07: Es ist Sommer am See und auch wir sind ganz viel draußen unterwegs!

00:00:11: Heute sind wir zu Gast auf dem Überlinger Weltacker – das kann man wahrscheinlich gut hören, denn während wir normalerweise gerne in einem kleinen ruhigen Raum sitzen für die Aufzeichnung, sind wir diesmal eben auf dem Acker.

00:00:27: Ein Weltacker ist ein Konzept mit dem man veranschaulichen möchte, was so alles angebaut wird in der Landwirtschaft und zwar weltweit.

00:00:34: Die Initiatoren sagen, theoretisch gibt es mehr als genug fruchtbaren Ackerboden damit

00:00:39: alle Menschen

00:00:40: und sogar noch mehr als heute auf der Erde leben, bestens versorgt werden könnten.

00:00:47: Das Team vom Überlinger Weltacker will aufklären zu dem Thema und die weltweite Ernährung greifbar machen hier am See.

00:00:54: Vor allem aber möchten sie Zuversicht vermitteln – und das

00:00:57: bei einem Thema, 

00:00:58: dass doch für viele

00:00:59: von uns

00:00:59: eher negativ besetzt ist, wenn es um Klimawandel, Nachhaltigkeit oder gesunde Ernährung geht.

00:01:06: Eva Hauber arbeitet hauptamtlich für das Projekt.

00:01:09: Sie haben wir in Überlingen getroffen.

00:01:13: Hallo Eva!

00:01:13: Hallo!

00:01:15: Schön, dass ich da sein darf bei euch und ich habe es jetzt gerade im Intro schon so ein bisschen versucht anzusprechen.

00:01:20: Normalerweise bitte ich immer drum oder frage immer, nach gibt es vielleicht ein kleines Büro?

00:01:26: Das ist für mich die Aufzeichnung ganz gut.

00:01:28: Das ist bei euch hier nicht möglich, denn wir sind draußen. Ihr habt keinen drinnen.

00:01:31: Ihr arbeitet, euer Arbeitsplatz ist draußen.

00:01:34: Ja also wir arbeiten wirklich fast die komplette Zeit draußen.

00:01:38: Also es ist natürlich Saisonarbeit und im Winter gibt's sehr viel Laptop-Arbeit, aber das machen wir halt dann an unserem Laptop.

00:01:46: Und wir hatten auch mal ein Büro für so anderthalb Jahre oder so, aber haben halt gemerkt, es lohnt sich nicht so oder ist vielleicht auch ein bisschen verschwendeter Platz.

00:01:56: Weil eben, wir haben uns dann einmal die Woche da getroffen.

00:01:59: Oder Annette war mal eine Stunde da und ich eine Stunde, aber es stand größtenteils leer.

00:02:03: Und jetzt sind wir schon auf der Suche nach jemandem, der sich mit uns ein Büro teilt.

00:02:07: Also das

00:02:07: können wir uns

00:02:08: schon vorstellen, so ein Co-Working oder sowas.

00:02:11: Aber wir haben schon gemerkt, eben unsere Arbeit ist größtenteils draußen.

00:02:15: Das habe ich natürlich ein bisschen unterschlagen.

00:02:16: Es gibt auch noch eine andere Jahreshälfte, wo man wahrscheinlich nicht draußen sein kann. Aber in der warmen Jahreshälfte ist es so, 

00:02:22: dann seid ihr.

00:02:23: Ja.

00:02:23: Also wir haben halt auch noch unsere wöchentlichen Team-Meetings, wo wir dann Sachen besprechen.

00:02:27: Das haben wir dann öfter auch mal versucht, das auf dem Acker zu machen.

00:02:31: Haben dann aber schon festgestellt, dass es nicht so effektiv fürs Meeting ist, weil dann bist du draußen, dann kommt vielleicht ein Besuch vorbei oder fragt mal jemand was und dann ist aufm Acker, dann bist du direkt da und siehst so ah hier könnte ich noch etwas jäten oder hier vielleicht mal ein bisschen hacken oder da nochmal was aussäen.

00:02:47: Und da haben wir festgestellt, dass es dann nicht so produktiv ist.

00:02:51: Deswegen gucken wir einfach mal.

00:02:53: Im Sommer haben wir uns dann auch öfter einfach mal in Hofcafés getroffen, das ist ja auch voll schön!

00:02:58: Ja jetzt bin ich aber so reingepurzelt und habe das Wichtigste zum Einstieg direkt unterschlagen.

00:03:03: Für alle, die nichts damit anfangen können... Was ist ein Weltacker?

00:03:07: Also wenn ihr zu uns kommt, dann ist so ein Weltacker, mal ganz glatt gesagt, oder was ihr sehen könnt, ist eine Ackerkulturenausstellung.

00:03:16: Also hier gibt's um die fünfundvierzig verschiedene Kulturpflanzen, die wir hier ausstellen in verschiedenen Größenverhältnissen und da steckt dann natürlich ganz viel Wissen dahinter.

00:03:29: Auf einem Weltacker stellen wir maßstabsgetreu das dar, was wir als Menschheit gerade mit unseren Ackerflächen tun.

00:03:37: Was bedeutet das?

00:03:38: Die größte Kultur, die wir weltweit gerade haben, rein flächenmäßig, ist der Weizen.

00:03:43: Das heißt, auf unseren zweitausend Quadratmetern ist auch die größte Kultur der Weizen.

00:03:48: Der hat gerade so um die zwölf Prozent, dicht gefolgt von Mais und dann wird es halt immer kleiner.

00:03:54: Und so können wir um die fünfundvierzig Kulturen darstellen und irgendwann wird's zu klein.

00:03:59: Also Spinat zum Beispiel, der hätte die Fläche von einem kleinen Fingernagel.

00:04:04: Jeder der sich mit Pflanzen auskennt, der weiß, Spinat ist größer als das.

00:04:07: Also da können wir es nicht mehr anbauen.

00:04:09: Das heißt also auf euren zweitausend Quadratmetern bildet ihr in Relation das ab, was in der weltweiten Landwirtschaft also angebaut wird?

00:04:18: Das heißt die zwölf Prozent, sagtest du glaube ich gerade, Weizen...

00:04:21: Also wir nehmen unsere Zahlen von der FAO, das ist so eine weltweite Agrarorganisation.

00:04:25: Da werden entweder die Daten hingemeldet von den verschiedenen Ländern, was baue ich an, in welchen Flächen und wie viel Ertrag kriege ich, also da sind wahnsinnig viele Zahlen.

00:04:34: Die sind auch öffentlich zugänglich, da haben wir unsere Zahlen auch her.

00:04:39: Und was wir hier darstellen, weil wir bebauen ja nur zweitausend Quadratmeter.

00:04:44: Das heißt auf der einen Seite ist das, wie du schon gesagt hast, es ist maßstabsgetreu.

00:04:48: Also das, was wir global in unserer Landwirtschaft machen, können wir hier hautnah erleben und diese zweitausend Quadratmeter sind der gerechte Anteil, der jedem Menschen zustünde, wenn wir diese Ackerflächen fair unter allen Menschen auf der Welt aufteilen.

00:05:03: Das heißt jedes Baby, jede Oma jeder fünfzig-vierzigjährige also unabhängig wie alt ich bin, habe ich zweitausend Quadratmeter egal auf welchem Kontinent ich lebe.

00:05:14: Wenn wir es fair aufteilen würden, hätte jeder von uns zweitausend Quadratmeter zur Verfügung.

00:05:19: Das würde sich ausgehen?

00:05:20: Also für jeden, du hast du ja so schön gesagt vom Baby bis zum Kreis, wären zweitausend Quadratmetern drin?

00:05:25: Also das, was wir hier jetzt gerade...

00:05:27: Also diese Ackerflächen, die ändern sich natürlich jedes Jahr ein bisschen, weil es kommt was dazu, 

00:05:32: es wird etwas weggenommen. Aber das sind wirklich, ist dieser fruchtbare Ackerboden und was wir hier darstellen, diese zweitausend Quadratmeter, das ist auch wirklich fruchtbarer Ackerboden.

00:05:41: Das heißt, da ist kein Siedlungsgrund, keine Gewässer, keine Straßen dabei und auch kein Dauergrünland.

00:05:49: Das heißt, da wo's nicht umgebrochen wird, wo länger als fünf Jahre am Stück Wiese wächst, wo Tiere draufstehen oder Büffel oder Sonstiges, 

00:05:57: das ist da auch noch nicht mit drin.

00:05:59: Da hätte theoretisch jeder nochmal so um die viertausendfünfhundert Quadratmeter pro Nase zur Verfügung.

00:06:05: Ist eigentlich eine ganze Menge!

00:06:06: Also hatte ich, war jetzt so mein erster Gedanke... Da wäre für jeden von uns für alle eigentlich genug

00:06:11: drinnen?

00:06:13: Ja, das ist auch so ein Ding, 

00:06:14: was ich ganz schön finde an diesem Konzept.

00:06:17: Deswegen bin ich da auch hängen geblieben, sage ich jetzt mal.

00:06:21: Als ich hier vorbeikam und dann stand ich zum ersten Mal auf diesem Weltacker in Überlingen und dachte mir so, okay das ist einfach ein richtig gutes pädagogisches Konzept. Weil eben, ich stehe dann auf dieser Fläche oder alle die vorbeikommen, können sich auf diese Fläche stellen und wir haben es auch markiert mit so Stangen.

00:06:39: Das heißt, ich kann wirklich wahrnehmen, was sind diese zweitausend Quadratmeter. Und ich finde das so schön, weil ich habe mich viel damit beschäftigt, ich hab's auch studiert und war da auch politisch aktiv usw.

00:06:49: Aber am Tisch, mit jemandem drüber sprechen, ist halt immer noch was anderes.

00:06:52: Weil ich kann mir das nicht vorstellen... Also dieses: Menschen sind eigentlich, das was wir mit unserem Körper wahrnehmen und ich kann dann schon sagen, okay ich verstehe das, das sind ein paar Tonnen oder ich verstehe das, das ist ein Fußballfeld. Aber eigentlich müsste ich's mit dem Körper wahrnehmen und das ist bei solchen Zahlen gar nicht möglich.

00:07:10: Und dann fand ich das so interessant, als ich hier über den Acker gelaufen bin.

00:07:12: Da habe ich gemerkt so wow!

00:07:13: Ich kann nichts ausblenden, weil die Kultur steht da.

00:07:16: Ich kann nicht einfach an der Baumwolle vorbeilaufen und die nicht sehen. Dadurch, dass das hier präsent ist.

00:07:21: Präsenz?

00:07:21: Ja eben und dann bin ich sozusagen hierhergekommen und dachte mir, vielleicht also erst mal nur als Gärtnerin und ich konnte mir am Anfang auch gar nicht vorstellen, Bildung zu machen, weil ich dachte so nee. Also das war früher, in der Schule schon habe ich gesagt. Ich werde alles, aber auf keinen Fall werde ich Lehrerin. Und dann fand ich es auch irgendwie witzig, dass ich jetzt hier steht und Führungen

00:07:44: mache.

00:07:45: Aber für mich hat das auf jeden Fall einen sehr deutlichen Unterschied, weil wenn ich jetzt in der Schule bin, dann werden die Kinder ja dazu gezwungen.

00:07:51: Ob sie wollen oder nicht.

00:07:53: Sie müssen!

00:07:54: Und hier ist so... Menschen kommen freiwillig und ich finde es merkt man, dass wenn Leute freiwillig kommen, da ist eine gewisse Offenheit einfach da für ein Thema.

00:08:04: Das macht's mir natürlich leichter mit jemandem zu sprechen, der auch wirklich was wissen will.

00:08:10: Und zum anderen ist auch die Freude ganz wichtig.

00:08:14: Also Menschen, es gibt ja auch so Studien.

00:08:16: Ich bin immer noch in der Wissenschaft und nicht nur in Physik- und Umweltwissenschaften, sondern auch Soziologie

00:08:22: und Psychologie usw.

00:08:23: interessiert mich alles.

00:08:25: Und da gibt's ja auch dieses: dass Menschen lernen, wenn sie Freude haben, also wenn sie in Resonanz sind, wenn sie sich für was begeistern. Also da gibt's ja auch dieses ganz bekannte Beispiel, dass ein 55-Jähriger – weil er sich in eine Frau aus China verliebt hat – innerhalb von einem Jahr einfach fließend Mandarin lernt, weil er so begeistert ist und das einfach so aus seinem vollen Energie- und Freude-Niveau macht.

00:08:48: Und es ist möglich einfach aus dieser Begeisterung.

00:08:51: Von daher versuchen wir, durch unsere Begeisterung für das Thema die Menschen auch anzustecken, dass sie halt das mitnehmen, was für sie auch wichtig ist.

00:09:04: Du meintest vorhin: „Das Haus steht in Flammen", und ich habe im Vorhinein gelesen, dass eure Absicht mit dem Weltacker auch ist, Zuversicht zu schenken.

00:09:12: Da hab' ich jetzt so anfangs gedacht: „Wie kriegt sie das dann zusammen?"

00:09:15: Aber das hast du jetzt glaube ich sehr schön beschrieben, wie ihr das schaffen wollt – dieses Thema dann auch positiv zu vermitteln.

00:09:23: Ich meine, das ist noch ein anderer Aspekt, was ich an diesem Weltackerkonzept ganz schön finde.

00:09:29: Das Konzept an sich hat nichts damit zu tun – sondern einfach diese Einsicht, dass es genug da ist.

00:09:36: Wenn ich Schritte auf die Natur zugehe und mit der Zusammenarbeit lebensförderlich arbeite, dann kommt sie mir auch zehnmal so oft entgegen.

00:09:43: Da dachte ich schon für mich: Das ist ein kleines Wunder, wie schnell einfach so etwas – was erst auf dem ersten Blick aussah wie: „Um Gotteswillen,

00:09:52: was sollen hier überhaupt noch wachsen?"

00:09:54: dass wir das oftmals innerhalb von kürzester Zeit in eine kleine Oase verwandelt haben.

00:10:01: In dem Sinne – also: Das Haus steht in Flammen.

00:10:04: In dem Sinne, dass wir jetzt wirklich was tun sollten.

00:10:07: Es ist nicht so: „Okay, ich verschieb's mal noch auf nächstes Jahr oder vielleicht später mache ich etwas." Sondern es ist wirklich wichtig, dass wir jetzt in die Pötte kommen. Und gleichzeitig eben ist jetzt der Moment, dass da noch was da ist, mit dem wir arbeiten können.

00:10:21: Also, wir haben auch – wenn wir zum Beispiel die Planetary Health Diet anschauen: Es ist auch so ein Zusammenschluss von wissenschaftlich arbeitenden Leuten, die haben geguckt: „Wie kann ich mich denn als Mensch gesund ernähren, dass ich alle Mineralien, Vitamine,

00:10:35: Eiweiße und so weiter bekomme?

00:10:36: Dass ich wirklich auch gesund bin als Mensch und gleichzeitig das auch für die Biosphäre okay ist."

00:10:42: Also dass da nicht zu viel Tierhaltung ist, dass der Boden fruchtbar bleibt, dass die Diversität – weil der Boden möchte ja auch verschiedene Pflanzenwurzeln haben und nicht wirklich nur eine.

00:10:53: Also: Wie kann es zusammengehen? Wie viel Fläche brauchen wir dann?

00:10:56: Und die haben gesagt: „So um die 1.000 Quadratmeter pro Nase."

00:11:00: Und das wäre dann eine super gesunde, ausgewogene, vielfältige Ernährung – sogar mit tierischen Produkten.

00:11:07: Und dann habe ich ja noch die Hälfte von meinem Acker übrig. Für vielleicht mache ich es ein bisschen extensiver?

00:11:12: Vielleicht mache ich noch einen, oder lass ich was brach liegen für eine gewisse Zeit für Biodiversität – oder Baumwolle oder so etwas kann ich auch noch pflanzen.

00:11:21: Also von daher finde ich das auch eben schön an diesem Konzept.

00:11:25: Ich kann auf den Acker stehen und ich kann den Leuten dann auch sagen: „So, wir müssen jetzt wirklich in die Pötte kommen, aber wir haben sozusagen alles da, was wir brauchen."

00:11:35: Ihr seht es ja selbst!

00:11:37: Wer sind eure Gäste?

00:11:38: Wer kommt freiwillig und gerne?

00:11:41: Jetzt hast du schon „freiwillig und gerne" gesagt.

00:11:43: Deswegen weiß ich nicht...

00:11:44: Also, ich meine, es kommen auf jeden Fall Schulklassen – wie freiwillig und gerne,

00:11:48: die jetzt kommen, weiß ich nicht.

00:11:51: Aber die Schulklassen, die jetzt kommen – also eben, da habe ich nicht das Gefühl, dass sie es furchtbar finden.

00:11:58: Ich finde es eher dann interessant: Wenn Schulklassen da sind, ist es schon...

00:12:03: Also, wenn man's auch einfach nur in den Augen sieht, oder zwischendurch kommt wirklich ein, zwei Personen nach der Führung noch mal her und stellt dann nochmal die Frage: „Meint ihr wirklich,

00:12:15: dass wir eine Zukunft haben? Dass wir das hinkriegen? Ist es wirklich möglich?"

00:12:20: Also da sieht man schon, dass das vor allem junge Menschen sind.

00:12:23: Ich glaube, wenn ich jetzt damit aufgewachsen bin... Ich bin jetzt ja 37.

00:12:30: Das heißt, ich hatte schon eine Zeit lang, wo ich nicht so in diesem krassen Krisenmodus aufgewachsen bin.

00:12:35: Aber Leute, die jetzt 20 Jahre jünger sind als ich –

00:12:37: ich glaub, die sind ja seit sie denken können einfach im Krisen-Modus aufgewachsen.

00:12:42: Da ist das schon glaube ich was Großes, wenn die dann danach noch zu einem herkommen oder wenn man in die Augen guckt und sieht: „Okay, da hab ich was berührt."

00:12:50: Oder da ist ein Lächeln, so ein kurzes Aufatmen.

00:12:52: Okay, guck mal!

00:12:53: Da ist jemand, der sagt: ‚Es ist nicht alles total furchtbar.

00:12:56: Wir können noch etwas machen, und es darf auch Freude machen.'

00:12:59: Also das ist auch das, was wir am Ende sagen.

00:13:00: Es geht nicht darum, dass sich jetzt irgendwie auf Teufel komm raus mit den Öffis fahre und den ganzen Tag nur Karotten und Bohnen esse. Sondern es geht darum zu gucken: Was sind meine Fähigkeiten und was macht mir Freude. Und dass ich das wirklich dann in das Ökosystem reinbringe, also mit in die Gesellschaft reingebe – als mein Geschenk, was ich reinbringe.

00:13:21: Und nachdem wir alle völlig einzigartig und unterschiedlich sind – wie die ganzen Pflanzen und die Mikroorganismen und Tiere und Insekten – bringen ja alle ihre spezielle Fähigkeit rein.

00:13:31: Wenn wir als Menschen eben unsere speziellen Fähigkeiten ausbilden dürfen und das mit Freude reingeben – also wirklich das machen können, was unser Herz erfreut - 

00:13:42: dann glaube ich auch, dann haben wir direkt das gute Leben für alle!

00:13:46: Also das ist ja genau dieses:

00:13:47: So es darf Freude machen, und es muss sogar Freude machen.

00:13:51: Das finde ich jetzt fast ein bisschen überraschend diese positive Überschrift, also das kriegen wir hin oder das ist zu machen.

00:13:58: Also, ja es pressiert

00:14:00: Es ist schwierig.

00:14:03: Niemand hat gesagt, dass die Reise einfach ist.

00:14:05: Und ich glaube, diese Reise wird auch nicht einfach sein, weil das, was am schwierigsten ist zu ändern, sind Gewohnheiten.

00:14:12: Es verlangt mir als Mensch sehr viel ab.

00:14:16: Also, ich meine, ich war ja... Ich habe ja Klimafolgen studiert, und da ist einfach sehr viel Trauer, und da ist sehr viel Wut oder ist sehr viel Angst – und das sind einfach Gefühle,

00:14:29: die ich jetzt nicht unbedingt 24/7 so krass in mir drin fühlen möchte. Und natürlich will ich, dass mir gut geht.

00:14:35: Aber deswegen fand ich es so schön, dass du da scheinbar einen Weg findest, das in was Positives umzuleiten?

00:14:42: Ja, also ich meine... Es ist auch immer die Balance.

00:14:46: Also, soll jetzt auch nicht so klingen, als ob wir jetzt so Heidi-Taiti, wird schon alles kommen.

00:14:50: Wir packen an!

00:14:51: Nein, da ist schon auch sehr viel

00:14:52: dieses Hingucken auch da. Weil wenn wir jetzt über den Acker gehen, wir haben natürlich schon auch das Thema Fleischkonsum. Und das erwischt viele von uns hier schon am Krawattel, weil wir haben einen sehr hohen Fleischkonsum,

00:15:06: sehr hohen Tierproduktekonsum – und das schadet der Biosphäre, dem Klima, auch unserer Gesundheit.

00:15:13: Die Lebensmittelverschwendung: Wir haben eine richtig hohe Lebensmittelverschwendung hier in Deutschland. Ich meine, die USA ist noch krasser, aber trotzdem – es ist einfach zu viel.

00:15:23: Das heißt, hier kommen schon sehr viele Themen auf, wo ich mich erst mal so „um Gottes Willen!". Oder der fruchtbare Boden -

00:15:30: also da ist schon was, wo ich die Kapazität brauche, auch zu spüren:

00:15:33: So, das macht mich traurig oder es macht mich wütend, oder es macht mir sogar Angst!

00:15:38: Ich meine, es muss jeder für sich sehen: Wie weit kann ich mich darauf einlassen?

00:15:43: Aber es braucht glaube ich eben dieses: Wo ist der Sweet Spot, dass Menschen in Bewegung kommen?

00:15:50: Alle machen ja sicherlich noch nicht mit, aber zum Glück hier in der Region doch viele schon.

00:15:55: Ihr seid auch Teil des Partner-Netzwerks „Echt nachhaltig" von Echt Bodensee – was bedeutet das für euch?

00:16:02: Findest du es gut, dass es solche Initiativen gibt und da die Möglichkeit gibt, sich zusammen zu tun?

00:16:07: Klar!

00:16:07: Also, ich finde es super, wenn sie solche Initiativen bilden, weil das zeigt ja auch wieder, dass da Menschen sind. Weil ich meine, es muss jetzt ja nicht jeder mit Landwirtschaft arbeiten – wir haben ja alle unterschiedliche Fähigkeiten und Interessen. Und es ist ja voll schön, wenn jemand dann mit Tourismus-Marketing arbeitet und sagt: „Boah, ich möchte – das Thema liegt mir voll am Herzen.

00:16:24: Ich möchte, dass da jetzt was vorwärts geht!" Um dann diese Initiative gründet – weil das ist ja auch voll viel Arbeit.

00:16:30: Es sind ja auch Rückschläge drin usw.,

00:16:31: und da einfach weiter zu machen, finde ich voll, voll gut.

00:16:35: Auch einfach diese Sichtbarkeit zu schaffen.

00:16:38: Weil das merke ich auch für mich in der Arbeit: Es ist für mich auch wichtig, zwischendurch mich mit anderen Menschen zu unterhalten und einfach zu merken: „Guck mal, die machen in ihrem Bereich ihr Ding."

00:16:50: Und das motiviert mich dann selber auch wieder so:

00:16:52: Ah okay,

00:16:52: jetzt gebe ich auch meinen Beitrag wieder rein.

00:16:55: Also es ist schon ein gegenseitiges...

00:16:58: So ein Miteinander?

00:16:59: Ein

00:17:00: moralisches Unterstützen – muss ja nicht immer irgendwie Geld oder sonst was fließen, sondern kann ja auch dieses eben, dass wir uns unterhalten, um da einfach gegenseitig zu inspirieren.

00:17:10: Das gibt ja auch sehr viel Kraft.

00:17:12: Zum Schluss noch: Ihr seid letztes Jahr – 2025 – umgezogen,

00:17:16: also neue Location.

00:17:17: Worauf freust du dich?

00:17:18: Was habt ihr vor?

00:17:20: Wir hoffen auf jeden Fall auf eine schönere Aussicht.

00:17:23: Die ist klasse!

00:17:24: Genau, wir haben jetzt ja schon physisch – also wenn ich vorbeikomme – wir haben eine richtig, richtig schöne Aussicht auf den Bodensee.

00:17:31: Hätte ich, als ich das erste Mal da war, war ich auch erst mal so: „Okay, krass!"

00:17:34: Ein netter Bonus!

00:17:36: Ja, voll schön! Und halt auch dieses eben – wir sind umgezogen. Ja, vielleicht so ein Bild von dieser Aussicht für die Zukunft haben,

00:17:44: dass das auch wirklich eben mehr in die Breite wächst und in der Wirksamkeit wächst.

00:17:51: An diesem Standort in Andelshofen war es halt ein bisschen – aufgrund der rechtlichen Situation des Grundstücks – nicht so möglich, dass wir uns mit unserer Bildungsarbeit kreativ ausweiten.

00:18:02: Also zum Beispiel: Ackerklavier oder auch Ackerkonzerte oder das Improtheater auf dem Acker oder Vorträge zu Themen –

00:18:12: solche Sachen sind da nicht möglich.

00:18:15: Deswegen ist das jetzt eben so.

00:18:17: Die Idee für die Zukunft ist, dass wir hier so einen Treffpunkt machen für alle Leute, die sich interessieren für diese Art von Thema – und dass man auch einfach mal zusammenkommen kann und eben in Dialog treten, sich austauschen, sich gegenseitig vielleicht Mut machen oder auch sich gegenseitig inspirieren.

00:18:35: Weil das habe ich jetzt auch schon oft gemerkt auf solchen Netzwerktreffen. Dann spreche ich mit Personen, merke dann so, okay, die arbeitet an dem und ich arbeite an dem.

00:18:45: Und da könnten wir das zusammen machen.

00:18:48: Und so entstehen neue Sachen!

00:18:50: Das ist halt einfach ein Ort, wo wir uns austauschen können, wo wir auch gemeinsam feiern können – weil es ist ja auch ganz wichtig, einfach mal zusammenzukommen und selbst um die Region zu feiern, weil es ist ja auch ein richtig schöner Ort

00:19:04: hier.

00:19:04: Es ist ja wunderschön!

00:19:05: Genau, es geht ja auch darum, das zu bewahren dann am Ende.

00:19:07: Ja

00:19:08: genau! Also wenn ich was bewahren möchte, muss ich dazu in Kontakt treten. Und das ist ja dann eben auch so... Wenn man sich zusammentrifft und dann das genießen kann, dann ist es ja wirklich ein schönes Erlebnis.

00:19:22: Eva Hauber vom Überlinger Weltacker - 

00:19:24: ganz herzlichen Dank für das Gespräch.

00:19:26: Vielen Dank an dich!

00:19:30: Das war der Bodensee Podcast. Und wenn ihr jetzt selbst erleben wollt, was die Eva gerade so schön beschrieben

00:19:35: hat - 

00:19:35: wenn

00:19:36: auch ihr euch vielleicht ein bisschen Zuversicht schenken lassen möchtet – dann kommt den Überlinger Weltacker besuchen!

00:19:41: Das Gelände ist frei

00:19:42: zugänglich.

00:19:43: Es gibt, wie erwähnt, aber auch Führungen und diverse Events. Für Firmen können Veranstaltungen gebucht werden.

00:19:49: Träger des Überlinger Weltackers ist übrigens die gemeinnützige Einrichtung BiNELa.

00:19:53: Das steht für: Bildung, Nachhaltigkeit, Ernährung

00:19:56: und Landwirtschaft.

00:19:58: Alle Infos

00:19:58: für euren Besuch

00:19:59: und wie ihr die Arbeit in Überlingen

00:20:01: unterstützen könnt, findet ihr wie immer

00:20:03: in unseren Shownotes.

00:20:04: Mein Name ist Peter Meisterhans.

00:20:06: Ich sage vielen Dank

00:20:07: fürs Zuhören

00:20:08: und bis zum nächsten Mal!

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